Oktober-Notizen

Nachdem arbeitsbedingt in den letzten Tagen die Beiträge etwas spärlicher erschienen, will ich wenigstens zum Monatsende einen kurzen Blick auf andere Blogbeiträge und Meldungen werfen, die mich beschäftigt haben.

  • Damian hat auf b-logos Nikolaus Buhlmann, Mitglied des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung, zitiert (mit den entsprechenden Quellen-Links):

„Von denen können wir in der Tat einiges lernen, nämlich den Mut zum Zeugnis.“

Dem kann ich nur zustimmen und versuchen Mut zu machen, die Vielfalt des christlichen Glaubens als Bereicherung der einen Kirche zu verstehen.

  • Ganz interessant finde ich auch die Gedanken von Peter auf peregrinatio: „Die große Geschmacks-Ver(w)irrung“. Allzu oft stehen dem „voneinander lernen“ nämlich weniger echte theologische Differenzen als persönliche, kulturelle, konfessionelle oder einfach traditionelle Vorlieben im Wege, die nur zu gerne theologisch aufgeladen und überhöht werden. Was ein „würdiger“ Gottesdienst/Messe ist, lässt sich eben nicht objetiv definieren. Die Auffassung, welcher Musikstil Gott besser ehrt und die Gläubigen tiefer in Anbetung führt, ist sehr subjektiv (klassische Choräle, Gregorianik, Neues Geistliches Liedgut, Lobpreislieder usw.). Dasselbe gilt für die Gestaltung des Gottesdienstraumes, die Art des Kommunionempfangs und vieles mehr. Da nehmen sich die Christen aller Konfessionen nach meiner Erfahrung nichts.
    Peter schreibt:

    „Wenn es aber darum geht, niemanden aus der Einladung Gottes auszuschließen, dann können wir uns diese Spießer-Mentalität (die nicht nur kleinbürgerlich sein kann, sondern auch in tausend anderen Geschmacksrichtungen existiert) schlicht nicht leisten, ohne unseren Auftrag und damit auch den Auftraggeber zu verraten, dem solche Reflexe völlig fern lagen und der genau deswegen auch die Autorität hatte, Leuten wie den Pharisäern und den Reichen mal kräftig die Meinung zu sagen, ohne alle Brücken zu ihnen deshalb abzubrechen.“

Für die Einheit gefährlich werden solche Geschmacksfragen vor allem dann, wenn die unterschiedlichen Auffassungen und Vorlieben mit theologisch schwerem Geschütz verteidigt werden. Dann werden Mauern aufgebaut, hinter die man sich mit dem wohligen Gefühl der Rechtgläubigkeit zurückziehen kann. Sich auf andere Christen mit ihren Vorlieben und Traditionen einzulassen und ggf. davon zu lernen, kann man dann ohne schlechtes Gewissen vermeiden.

  • Wolfgang Bühne hat in einem Aritkel der Zeitschrift „fest und treu“: „Klartext mit dem ‚lieben Bruder in Rom‘?“ die ökumenische Perspektive des Papstbesuches unter die Lupe genommen und ist besonders auf das bereits erwähnte Buch „Lieber Bruder in Rom“ eingegangen.  Dass sein Urteil negativ ausgefallen ist, wird nicht wirklich verwundern.
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Anmerkungen zu: Wolfgang Bühne, Ich bin auch katholisch, Teil 4c: Der (un?)freie Wille

Der zweite Punkt, den Wolfgang Bühne in den Raum stellt, ist ein Klassiker des reformatorischen Menschenbildes: „Der Mensch ist nicht frei, sondern Knecht der Sünde.“ Schon Martin Luther hat 1525 eine Schrift „Vom unfreien Willen“ verfasst. Es ist eine Entgegnung auf die Schrift seines Freundes Erasmus von Rotterdam: „Vom freien Willen“. Ein wesentlicher Streitpunkt der Auseinandersetzungen der Reformation ist hier berührt. Damit zieht Bühne die Linie vom letzten Punkt, der Mensch ist durch den Sündenfall völlig verdorben, weiter. Dieser völlig verdorbene Mensch besitzt keinen freien Willen, aus dem heraus irgend etwas vollbringen könnte, was vor Gott wohlgefällig wäre. Selbst die vermeintlich „guten Taten“ des sündigen Menschen gelten vor Gott nicht als gut. Demgegenüber betont die katholische Lehre, so Bühne, den freien Willen des Menschen, der aus eigener Kraft heraus „gute Taten“ vollbringen kann, die Gott wohlgefällig seien.

In der Tat hat sich an diesem Punkt die Auseinandersetzung der Reformationszeit zugespitzt. Aber gerade hier hat die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigung zwischen Katholiken, Lutheranern und (später hinzugekommen) Methodisten eine Klärung der Positionen herbeigeführt, ohne tatsächliche Differenzen zu überspielen. Denn man hat im Eifer des Gefechts vor 500 Jahren auch teilweise kräftig aneinander vorbei gestritten.
Die nachvollziehbare und berechtigte Sorge der Reformation hierbei ist, dass die Herrlichkeit, Allmacht und Größe Gottes durch eine „Mitwirkung“ des Menschen zu seinem Heil in Form sog. guter Taten eingeschränkt und so unserem Herrn nicht die Ehre gegeben würde, die ihm allein zukommt. Daher kann aus reformatorischer Sicht schon allein zur Ehre Gottes der Mensch nur passiv empfangender Teil sein, der nichts zu seinem Heil beitragen kann. Dabei weiß auch die katholische Lehre, dass alles Heil von Gott ausgeht und die Gnade Gottes allem Tun des Menschen zuvorkommen muss, wenn es denn wohl getan sein will. Anders gesagt: ohne die Gnade Gottes kann kein Mensch etwas tun, das Gott wohlgefällig wäre. Deswegen ist ein zentraler Satz der Gemeinsamen Erklärung:

Wir bekennen gemeinsam, daß der Mensch im Blick auf sein Heil völlig auf die rettende Gnade Gottes angewiesen ist. Die Freiheit, die er gegenüber den Menschen und den Dingen der Welt besitzt, ist keine Freiheit auf sein Heil hin. Das heißt, als Sünder steht er unter dem Gericht Gottes und ist unfähig, sich von sich aus Gott um Rettung zuzuwenden oder seine Rechtfertigung vor Gott zu verdienen oder mit eigener Kraft sein Heil zu erreichen. Rechtfertigung geschieht allein aus Gnade. (GE 19)

Diese eine Wahrheit hat sozusagen zwei Aspekte, die katholische und lutherische Theologie unterschiedlich betont haben. Die katholische Sicht der „Mitwirkung“ stellt sich in der Gemeinsamen Erklärung so dar:

Wenn Katholiken sagen, daß der Mensch bei der Vorbereitung auf die Rechtfertigung und deren Annahme durch seine Zustimmung zu Gottes rechtfertigendem Handeln „mitwirke“, so sehen sie in solch personaler Zustimmung selbst eine Wirkung der Gnade und kein Tun des Menschen aus eigenen Kräften. (GE 20)

Die lutherische „Seite der Medaille“ lautet:

Nach lutherischer Auffassung ist der Mensch unfähig, bei seiner Errettung mitzuwirken, weil er sich als Sünder aktiv Gott und seinem rettenden Handeln widersetzt. Lutheraner verneinen nicht, daß der Mensch das Wirken der Gnade ablehnen kann. Wenn sie betonen, daß der Mensch die Rechtfertigung nur empfangen kann (mere passive), so verneinen sie damit jede Möglichkeit eines eigenen Beitrags des Menschen zu seiner Rechtfertigung, nicht aber sein volles personales Beteiligtsein im Glauben, das vom Wort Gottes selbst gewirkt wird. (GE 21)

Konkret heißt das: Wenn Katholiken betonen, dass der Mensch durch gute Werke (Gebete, Taten der Barmherzigkeit, Hingabe an Gott) zu seinem Heil beitrage, dann geschieht das nicht aus eigener Kraft und „Gutheit“ heraus, sondern weil Gottes Gnade den Menschen dazu befähigt und antreibt. Gott bewirkt im Menschen eine Sehnsucht nach Gott, die dazu führt, dass dieser ihn sucht. In der GE heißt es:

Wenn Katholiken an der „Verdienstlichkeit“ der guten Werke festhalten, so wollen sie sagen, daß diesen Werken nach dem biblischen Zeugnis ein Lohn im Himmel verheißen ist. (GE 38)

Und wenn Lutheraner sagen, dass der Mensch rein gar nichts zu seinem Heil tun kann (auch nicht durch Gebete oder Taten der Nächstenliebe), dann stellen sie fest, dass kein Mensch aus sich selbst etwas Gutes in Gottes Augen tun kann. Der Mensch, der auf seine eigene Qualitäten vertraut und nicht wahrhaben will, dass hinter diesen allein Gottes Gnade und rettende Liebe steht, begeht einen fundamentalen Irrtum.
Durch die Gemeinsame Erklärung wird deutlich, dass katholische und lutherische Lehre sich eigentlich von zwei Seiten demselben Sachverhalt zugewandt haben.

Nebenbei sei auch festgehalten, dass sich gerade im breiten Spektrum der evangelikalen Richtungen es durchaus solche gibt, die schon immer der katholischen Sicht des Menschen näher gestanden haben. In vielen Evangelisationsveranstaltungen ist z. B. der sog. Altarruf Praxis, d. h. die Zuhörer werden nach einer missionarischen Predigt aufgefordert, sich für ein Leben mit Jesus Christus als persönlichem Herrn zu entscheiden und zum Ausdruck dessen nach vorne zum Altar zu kommen, um für sich beten zu lassen. Billy Graham hat dies beispielsweise bei seinen Evangalisationsveranstaltungen so gehalten.
Ein Beispiel wie weit das Spektrum evangelikaler Gemeinden in der Frage des freien Willens heute ist, zeigt das charismatische freikirchliche Christliche Zentrum Wiesbaden. Auf dessen Webseite wird der Leser ausdrücklich zur (aktiven) Entscheidung aufgefordert:

„Eine Sache ist noch ganz wichtig: Es reicht nicht aus, diese Tatsachen einfach nur zu wissen oder für wahr zu halten. Gott erlöst uns nicht automatisch. Er hat uns mit einem freien Willen geschaffen, mit dem wir entscheiden können, ob wir das wollen oder nicht.“ (Hervorhebung von mir)

Auch hier übergeht Wolfgang Bühne, dass der evangelikale Protestantismus theologisch weitaus vielfältiger ist, als er es glauben macht. Das ist umso bedauerlicher, da eine differenziertere Darstellung des Sachverhaltes an sich und in weniger konfessioneller Abwehrhaltung diesem sehr komplexen und durchaus wichtigen Thema besser getan hätte.

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„Roms herzlicher Hardliner“ – Ein Vortrag von Wolfgang Bühne

Alex hat auf seinem Blog „Nimm und Lies“ einen Beitrag mit dem Titel „Bühne: Roms herzlicher Hardliner“ eingestellt. Er stellt darin eine Give-Away-CD Wolfgang Bühnes mit einem Vortrag zur Person Josef Ratzingers vor, der kurz nach dessen Papstwahl gehalten und nun zum Papstbesuch neu aufgelegt wurde.

Mir gefällt, dass Wolfgang Bühne bei aller Ablehnung des katholischen Christentums durchaus zu differenzieren weiß und bei aller Eindeutigkeit in der Sache erfreulich unpolemisch und fair ist. So schreibt Alex:

Je län­ger der Vor­trag andau­ert, desto mehr „Sym­pa­thie“ gewinnt der evan­ge­li­kale Zuhö­rer an eini­gen Sei­ten des Paps­tes. Es ist zum Bei­spiel bemer­kens­wert, wie wenig Raum Maria im Den­ken Ratz­in­gers ein­nimmt. Kurz bevor die Auf­nahme Mari­ens in den Him­mel zum Dogma erklärt wurde, sprach sich Ratz­in­ger deut­lich dage­gen aus – beugte sich jedoch anschlie­ßend unter die Ent­schei­dung der Kir­che. Ein Jour­na­list, der mit dem damals noch frisch gewähl­ten Papst ein aus­führ­li­ches Inter­view führte, beschei­nigte ihm einen unter „geist­li­chen Würd­ern­trä­gern“ unge­wohnte Beschei­den­heit. Und ent­ge­gen einer Viel­zahl evan­ge­li­scher Füh­rer in Deutsch­land ist Papst Bene­dikt der XVI. ein Ver­tei­di­ger mora­li­scher und ethi­scher Werte.

Gleichwohl – und alles andere hätte mich auch sehr überrascht – bleibt Wolfgang Bühne bei seiner generell ablehnenden Haltung gegenüber der katholischen Kirche:

Wolf­gang Bühne führt viele Zitate des „herz­li­chen Hard­li­ners“ auf und macht deut­lich, dass trotz aller posi­ti­ven Ansich­ten des Paps­tes er letz­ten Endes ein „unbeug­sa­mer Ver­tei­di­ger römisch-katholischer Dog­men ist“. Chris­ten soll­ten sich durch die freund­li­che und herz­li­che Art Josef Ratz­in­gers nicht täu­schen las­sen und sich bewusst sein, dass er ein treuer Hüter römisch-katholischer Theo­lo­gie ist.

Dass ich diese Sicht Wolfgang Bühnes noch die zustimmende Einschätzung von Alex teile, dürfte ebensowenig verwunderlich sein. Die Gründe dafür finden sich (u.a.) in den ausführlichen Beiträgen zu Wolfgang Bühnes Buch „Ich bin auch katholisch“ (hier geht’s los).

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Der Papst und die Pfingstkirchen

Auf seiner Deutschlandreise hat Papst Benedikt eine kurze Bemerkung zu „einer neuen Form des Christentums“ gemacht:

Die Geographie des Christentums hat sich in jüngster Zeit tiefgehend verändert und ist dabei, sich weiter zu verändern. Vor einer neuen Form von Christentum, die mit einer ungeheuren und in ihren Formen manchmal beängstigenden missionarischen Dynamik sich ausbreitet, stehen die klassischen Konfessionskirchen oft ratlos da. Es ist ein Christentum mit geringer institutioneller Dichte, mit wenig rationalem und mit noch weniger dogmatischem Gepäck, auch mit geringer Stabilität. Dieses weltweite Phänomen – von dem ich von Bischöfen aus aller Welt immer wieder höre – stellt uns alle vor die Frage: Was hat diese neue Form von Christentum uns zu sagen, positiv und negativ? Auf jeden Fall stellt es uns neu vor die Frage, was das bleibend Gültige ist und was anders werden kann oder muß – vor die Frage unserer gläubigen Grundentscheidung. (Gespräch mit Vertretern des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Augustinerkloster Erfurt, 23.9.2011, S. 3–4)

Der Papst hat dies vorsichtig offen formuliert, aber die Assoziation mit den schnellwachsenden Pfinsgstkirchen (nicht nur) in Lateinamerika ist naheliegend. Entsprechend stellte die Presse dann auch die Papstaussage in Zusammenhang mit den Pfingstkirchen. Damian hat in seinem Blog b-Logos dies deutlich gemacht: „Papst warnt – nicht – vor Pfingstkirchen“.

Ich möchte doch einmal festgehalten wissen, dass der Papst viel differenzierter über das Phänomen der Charismatischen Bewegung (um einen weniger negativ besetzten Ausdruck zu verwenden und deutlich zu machen, dass die Pfingtkirchen selbst nur Teil einer größeren geistlichen Bewegung innerhalb des Christentums darstellen) spricht, als es in der Berichterstattung rüber kommt und vor allem als es in den verfassten Kirchen oft der Fall ist. Dort steht man charismatischen Formen des Christseins oft ratlos und abwehrend gegenüber. Papst Benedikt dagegen ist offen für die Frage, was diese Kirchen uns zu sagen haben, man könnte auch sagen: Was der Heilige Geist uns durch diese Kirchen sagen will? Und der Papst meint dies nicht (nur) in Bezug auf äußere Formen und Erscheinungsweisen von Kirche in der Gegenwart, sondern im Blick auf die Grundfragen des Glaubens: „Auf jeden Fall stellt es uns neu vor die Frage, was das bleibend Gültige ist und was anders werden kann oder muß – vor die Frage unserer gläubigen Grundentscheidung.“ Diese kritische Offenheit statt fundamentaler Ablehnung scheint mir eine sehr gute Herangehensweise in diesem Punkt zu sein (und dieses Blog fühlt sich dem ja auch verpflichtet).

Dass der Papst es mit solch offener bis positiver Sicht des freikirchlichen Christentums nicht nur im Allgemeinen, sondern auch auf ganz persönlicher Ebene ernst meint, wird auch noch an einer kleinen Begebenheit deutlich, die nur wenige Stunden nach der Rede in Erfurt stattfand. Am Abend dieses Tages traf sich Papst Benedikt in Freiburg mit Missbrauchsopfern. Über dieses Treffen gibt es inzwischen einen Bericht einer der beteiligten Opfer, der auf welt-online erschienen ist: „Wenn ich Kirchenglocken höre, wird mir schlecht“. Sonja F. erzählt von dem Treffen. In dem Bericht heißt es:

Die fünf Auserwählten saßen eine gute halbe Stunde lang mit dem Papst zusammen. Sonja erzählte ihm, dass sie aus der Kirche ausgetreten ist. Sie kann die Kirchenglocken nicht mehr läuten hören, ohne dass ihr schlecht wird. Nun ist sie in einer evangelischen Freikirche. Sie hatte ein verkorkstes Gottesbild. Irgendwie glaubt sie nun doch an einen „liebenden Gott“.
Irgendetwas habe sie gerettet, ihr geholfen, den richtigen Weg zu finden. Die Reaktion des Papstes auf ihren Übertritt hat sie überrascht: „Er war froh, dass ich den Weg zu Gott zurückgefunden habe, das war so der Schwerpunkt für ihn, darüber war er sehr froh.“ Am Ende des Zusammentreffens erteilte der Papst seinen Segen.

Der Papst würdigt also ausdrücklich den Weg einer Katholikin in eine Freikirche (ob charismatisch oder nicht ist hier nicht von Belang). Ich bin der Überzeugung, dass wir uns klar machen müssen, dass es oftmals der Heilige Geist selbst ist, der Menschen von einer Kirche und Gemeinschaft zu einer anderen führt, weil dies für das individuelle geistliche Leben notwendig ist. Das schmerzt oftmals, aber es fordert auch zur Offenheit auf, das Wirken Gottes in den jeweils anderen geistlichen Traditionen zu würdigen.

Ralf hat auf seinem Blog „Pax et bonum“ die Richtung aufgezeigt: „Von den Freikirchen lernen“.

Allerdings gibt es auch die gegensätzliche Auffassung, wie sie … in dem Blog „Alles, was gut und recht ist“ zum Ausdruck bringt. Er schreibt in dem Beitrag „Liaisons Dangereuses“):

Auch auf die Gefahr hin, dass ich damit manche vor den Kopf stoße, es muss raus: ich finde die auf verschiedenen Ebenen bis hinein in kirchliche Bewegungen offen als „Ökumene“ bezeichnete Symbiose mit Freikirchen abenteuerlich ja naiv und sogar gefährlich. […] Prinzipiell aber ist eine echte Gemeinschaft zwischen Katholiken und Evangelikalen oder Pfingstlern eine Illusion, wenn nicht gar ein frommer (Selbst-)Betrug.

Ich will das gar nicht kritisieren, aber meine Erfahrung ist eine andere. Und ich bin froh, dass der Papst es auch anders sieht: Christen sollten voreinander keine Angst haben, sich nicht verstecken und sich schon gar nicht als Konkurrenten, Gegner oder sogar Feinde betrachten. Zu einer solchen Sichtweise kann man alle, Katholiken und Evangelikale, nur ermutigen.

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Das Luther-Scharnier

Die Enttäuschung über die Begegnung zwischen Papst und Vertretern der evangelischen Kirchen ist ja allenthalben mit den Händen zu greifen. Da muss man auch nichts „schönreden“, die Erwartungen waren größer (zweifelsohne zu groß). Und die Frage darf gestellt werden, ob Papst Benedikt nicht doch mehr Spielräume gehabt hätte, zukunftsweisende Zeichen zu setzen, ohne seine Grundposition aufzugeben?
Um so bemerkenswerter scheint mir aber, dass dieses Gespräch trotz aller protokollarischer und formaler Enge Ansätze eines Dialogs beinhalten und gerade hierin eine Zukunftsperspektive eröffnen.

Präses Schneider hat in seiner Ansprache bei dieser Begegnung Martin Luther „als ein Scharnier zwischen unseren Kirchen“ genannt, „weil er zu beiden Kirchen gehört“.

Papst Benedikt XVI. hat seinerseits in seiner Rede in Erfurt dazu aufgerufen, sich mit den spirituellen Anliegen Martin Luthers zu beschäftigen.

Die Frage: Wie steht Gott zu mir, wie stehe ich vor Gott – diese brennende Frage Luthers muß wieder neu und gewiß in neuer Form auch unsere Frage werden, nicht akademisch sondern real. Ich denke, daß dies der erste Anruf ist, den wir bei der Begegnung mit Martin Luther hören sollten. (BEGEGNUNG MIT VERTRETERN DES RATS DER EVANGELISCHEN KIRCHE IN DEUTSCHLAND – ANSPRACHE VON PAPST BENEDIKT XVI.)

Das richtet sich an Katholiken und Evangelische gleichermaßen.

Allein die Tatsache, dass ein Papst dazu aufruft, die Christen (und nicht etwa die akademische Theologie) sollen sich mit den geistlichen Anliegen Luthers beschäftigen, ist eine ökumenische Sensation und nimmt nicht zuletzt so manchem katholischen Antiökumeniker die Luft aus den Segeln.

Der Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatican, Pater Bernd Hagenkord, hat dies bereits aufgegriffen und auf seinem Blog „Laudetur Jesus Christus“ von seiner eigenen Beschäftigung mit dem Reformator berichtet: „Luther für einen Katholiken“. Sein Resümee:

„Als Katholik Luther in den Blick zu nehmen, ihn zu studieren, hilft. […] Jetzt, wo die Polemik eindeutig und hoffentlich endgültig außer Mode gekommen ist, lohnt es sich auf für Katholiken, Luther in den Blick zu nehmen und sich an ihm zu reiben. Ein Scharnier, kein Gegner. Ökumenischer Dialog eben.“

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Anmerkungen zu: Wolfgang Bühne, Ich bin auch katholisch, Teil 4b: Vom Wesen des Menschen

Nachdem Wolfgang Bühne die katholische Position mit Katechismus- und Konzilszitaten dargestellt hat, fasst er sie wieder (wie er sie versteht) in knappen Punkten zusammen:

„Die röm.-kath. Kirche lehrt also:
• Trotz des Sündenfalls ist etwas Gutes im Menschen.
• Der Mensch hat einen freien Willen.
• Er kann sich mit eigener Kraft aus »aller Knechtschaft der Leidenschaft« befreien.
• Zur Rechtfertigung des Menschen gehören daher nicht nur der Glaube an Christus, sondern auch Werke des Gläubigen.“ (S. 33)

Diesen Punkten stellt er wieder seine evangelikale Gegenposition unter der Überschrift „Was lehrt die Bibel?“ gegenüber und belegt dies mit einigen Bibelstellen.

1. Der Mensch ist durch die Sünde nicht »verletzt«, sondern völlig verdorben.
2. Der Mensch ist nicht frei, sondern Knecht der Sünde.
3. Durch die Wiedergeburt wird nicht unsere alte Natur veredelt, sondern wir bekommen eine neue, göttliche Natur: das ewige Leben. (S. 33–35)

Nun also zum ersten Punkt: Ist trotz des Sündenfalls noch etwas Gutes im Menschen, oder ist er völlig verdorben? Weiterlesen

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Evangelikale und Katholiken nähern sich an

Wo Benedikt die Konfessionen eint – Evangelikale und Katholiken nähern sich an.

So titelt ein Beitrag auf „pro Christliches Medienmagazin“ und zitiert den Leiter der Evangelischen Zentrale für Weltanschauungsfragen (EZW), Reinhard Hempelman:

Als Grund für den Annäherungsprozess nennt Hempelmann die ökumenisch ausgerichtete Spiritualität der Evangelikalen. […] Evangelikale und Katholiken verbinde gleiche Glaubenserfahrungen und Anliegen bei Themen wie Ethik, Homosexualität und Lebensschutz. „Vor allem die Evangelisierung Europas wird als zentrale Aufgabe beider Seiten unterstrichen“, sagte der Theologe. Zudem sei auf beiden Seiten Sympathie und Respekt gegenüber dem Papst zu erkennen. Dieser spreche mit seiner Modernitäts- und Relativismuskritik vielen Evangelikalen aus dem Herzen. Außerdem hätten die Bücher des Papstes „Jesus von Nazareth “ I und II großen Anklang auf evangelikaler Seite gefunden.

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